Zur Insel






Wo waren die versprochenen Motorboote? Auf dem Ufer lagen zwei Dhaus, die hier auf die Flut warteten um ihren fernen Zielen zu zu eilen. Wir waren einem perfekten Schwindel aufgesessen. Hätten wir die anfänglich geforderte Summe bezahlt, sie wäre komplett weg gewesen.
Mit uns hatte ein ältere Mann im Dalla Dalla gesessen, welcher mit uns jetzt am Ufer stand. Er sah, daß wir sehr unglücklich in die Welt schauten und frug uns, wo hin wir wollten. Wir hatten das gleiche Ziel. Wir waren erleichtert, Denn nun waren wir sicher unser so unerreichbar scheinendes Ziel Mafia Island doch noch zu erreichen. Er ging zielstrebig auf einen kleinen einäugigen Mann zu und sprach ihn an. Sie schienen sich zu kennen. Der Informationsaustausch war ungewöhnlich kurz. Unser neuer Bekannter winkte uns zu sich und erklärte, daß wir mit ihm auf der Dhau seines Freundes, dem einäugigen Kapitän, mit nach Kilidoni fahren könnten. Der Fahrpreis beträgt Tsh 1000 für jeden, die Hälfte ist sofort zu zahlen. Wir schauten uns vielsagend an, zahlten und schafften unsere Rucksäcke auf das Schiff.
Wir standen am Heck und schauten zum Bug. Die Konstruktion einer Dhau ist bemerkenswert einfach. Unsere war 15 Meter lang und Mittschiffs 4 Meter breit. Für diese einfache Holzbauweise, es gab weder eine Kajüte, noch ein Ruderhaus, sehr beachtlich. Als hätte man ein Ruderboot, wie wir es in Deutschland auf jedem See leihen können, auf das Fünffache vergrößert. Am Bug, etwa bis zum Mast und 4 Meter am Heck, gab es eine Abdeckung des Schiffsrumpfes, Das restliche Drittel des Schiffes war völlig offen. Wenn da die See hoch geht und die Wellen über dem Schiff zusammenschlagen, muß man ganz schön lenzen!
Das waren aber im Moment nicht unsere Probleme. Wir gingen wieder an Land und wollten etwas essen. Da sprach uns ein Fremder an, der soeben mit einem Schiff angekommen war. Er kam von einer kleineren Insel, nicht von Mafia und wollte nach Dar. Andreas bat ihn, einen Brief in den nächsten Briefkasten zu werfen, da wir hier keinen sahen und, sollte unsere Dhau verschollen gehen, wir der Heimat ein letztes Zeichen geben wollten. Der Brief erreichte nie sein Ziel. Allen Schwarzen kann man eben doch nicht trauen.
Wir hatten nach einem kurzen Rundgang durch den Ort den Eindruck, als wäre jedes Haus eine Kneipe oder sein Besitzer betrieb irgendeinen Handel. Aber die Kneipen überwogen. Es gab richtige gemauerte Häuser, dort erhielt man aber nur Bier oder stärkere Getränke. Gegessen wurde im Freien. Hier am offenen Feuer wurde schnell das gewünschte, meist nur Bratkartoffeln und Rühreier, zubereitet. Es gab auch Tee. Der Kessel stand auf dem Feuer und Wasser wurde nachgefüllt. Woher sie das Wasser holten, haben wir nicht klären können. Wir hockten uns zu den Schiffern und LKW Fahrern auf die zusammengenagelte Bank und ließen es uns schmecken. Etwas Ketchup ließ eine heimatliche Geschmacksrichtung aufkommen. Es war alles genießbar, gut verdaulich und sättigend. Und das sind, hier am Ende der Welt, Autostunden von der Zivilisation entfernt, essentielle Eigenschaften. Im Geschäft auf der anderen Straßenseite, also Armeslänge entfernt, knetete ein Mann Teig, formte daraus kleine Kugeln, die er in der Sonne gehen ließ. Nach einiger Zeit bug er aus ihnen in heißem Fett Pfannkuchen. Zwar ohne Füllung und nicht süß, aber nahrhaft und haltbar. Er verkaufte seine Erzeugnisse aber nur in größeren Einheiten an die benachbarten Kneipen. Arbeitsteilung ohne große Transportwege.
Die Menschen, die hier her kamen, Schiffer die die Verbindung mit den Inseln hielten und Fahrer welche die Verbindung mit den Schiffern hielten, hatten schon Kontakte mit Weißen gehabt. Aber in diese Hafenstadt ohne Hafen verirrte sich höchst selten einer. Wir waren hier die Sensation. Zwar waren wir nicht von einem Schwarm Kinder umgeben, wie am Kolombo River, aber unsere Anwesenheit verursachte einiges Aufsehen. Nach dem Essen kauften wir zwei Kokosnüsse, für alle Fälle. Wir suchten auch ein ruhiges schattiges Plätzchen, vergebens. Die meisten dösten vor ihren Hütten rum, doch uns bot sich keine Möglichkeit für eine Siesta. Schließlich gingen wir in eine Kneipe um der Sonne zu entkommen. Die Wirtin, kaum zwanzig Jahre, war sehr gesprächig und machte uns, wir waren die einzigen Gäste, schöne Augen. Sie hatte eine eigenartige Hautfarbe. Nicht schwarz, aber auch nicht diese Schokoladenfarbe, wie sie durch einem weißen Vater entstehen würde. Das Krankenhaus sei schuld sagte sie, sie hätte falsche Medikamente bekommen. Sie war aber sehr lustig und hatte eine Stimme wie Jeniffer Rush. Nun füllte sich die Kneipe langsam mit Schwarzen und wir waren abgemeldet. Kein Fehler. Die angezündeten Petroleumlampen warfen einen hellen Schein auf die Gesellschaft. Die Männer bestellten Konjaki. Den gab es hier nicht aus Flaschen oder Gläsern, sondern aus Plastetüten. Das reduzierte das Transportgewicht entscheidend und die Diskussion über die Füllung und den Eichstrich entfiel auch. Sehr praktisch. Aber die Jungs hätten sicher lieber eine Flasche gekauft, da hätten sie nicht so oft bestellen müssen. Der Wind ließ den Sand durch das Dach rieseln und wir verließen die Gesellschaft, nachdem wir versprochen hatten ein Hotel zu bauen und die Wirtin als Chefin einzusetzen.
Draußen war es inzwischen völlig dunkel geworden. Nur einige Kerzen auf den Tischen vor den Hütten erhellten die etwas die Szene. Um einen Tisch drängten sich auffallend viele Menschen. Hier wurde das, auch in Europa beliebte, Hütchenspiel gespielt. Gespannt verfolgten die schwarzen Augenpaare die Bewegungen des Spielmachers und verloren ihr Geld. Die im leichten Abendwind flackernde Kerze beleuchtete gespenstisch die Szenerie. Abendbrotzeit. Der Favorit unter den lokalen Gerichten waren Bratkartoffeln mit Rührei. Es schmeckt auch zwei mal am Tage, zumal von verschiedenen Köchen. Die Kerzen beleuchteten den Tisch nur unvollkommen und so mußten wir uns sehr konzentrieren, um die Nahrung mit den Händen zu finden. Aber nach unseren gesammelten Erfahrungen gelang uns da ausgezeichnet. Noch ein Bier zum Abschluß und dann wollten wir zu unseren Rucksäcken. Trotz der Dunkelheit fanden wir die Gegend wo unser Schiff gelegen hatte, doch es war weg.

Unser Schiff lag wahrscheinlich noch an der gleichen Stelle wie am Nachmittag, aber die Flut hatte sich zwischen Ufer und Dhau geschoben. Wir mußten an Land bleiben, wenn wir keine nassen Füße bekommen wollten.
An Land bleiben ist schnell gesagt. Doch wohin? Diese berühmte Hafenstadt hatte noch keine Verbindung zu staatlichen Energienetz bekommen. Eine Straßenbeleuchtung gab es nicht. Die Finsternis wurde nur von einigen Stearinkerzen und wenigen Petroleumlampen zaghaft unterbrochen, die auf den Tischen vor den Hütten standen. Es war ein Wunder, wie wir uns bis hierher gefunden hatten.
Das zwischen den Hütten pulsierende Leben machte keine Anstalten zur Ruhe zu kommen. Man saß in den Gassen, aß und trank und erzählte. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, eine Polizeistunde schien hier unbekannt. Wir gingen noch einmal zu unserer jungen Wirtin mit der rauhen Stimme und tranken ein paar Bier, um so besser schlafen zu können. Das mit dem Bier gelang uns ausgezeichnet, das mit den Schlafen weniger. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie lang so eine Nacht in einem Fischerdorf ohne Strom und ohne Bett werden kann. In der Hoffnung, die nötige Bettschwere zu haben, suchten wir welche. Nicht eines war hier aufzutreiben. Hier her kam man nicht zum Schlafen, sondern um Waren umzuschlagen. Ein Bett war höchster Luxus. Selbst wenn man ihn sich leisten wollte, man hatte keine Möglichkeit. Wir suchten Ersatz. Ich schlief auf einem Holzstapel und Andreas hatte ein paar Mehlsäcke gefunden. Ein Bett wäre besser gewesen, aber wir mußten uns heute so einrichteten. Lange hielt ich das nicht aus, dann drückte meine Blase und ich suchte am Ufer eine einsame Stelle. Auf dem Rückweg entdeckte ich, daß hier unten  einige andere müde Menschen sich ein Bett gemacht hatten. Ich legte mich dazu und schlief bald wieder ein.
Das Wasser ging zurück und die Männer begannen mit dem Beladen der Schiffe. Durch die davon verursachte Unruhe wurde ich bald wieder geweckt. Ich stieg das Ufer hinauf und traf Andreas, dessen Bett gerade verladen wurde. Es war gegen 1:00 a.m. und wir nutzten den full time service hier am Ort und gingen einen Pfannkuchen essen und Tee trinken. Es gab weder eine Polizeistunde noch Küchenschluß. Alle Kneipen waren 24 h geöffnet. Mir war allerdings unklar, wann die Reinigungskommandos ihre Arbeit verrichteten? Nun, wir haben sie nicht gesehen. Wir kauften noch einen Pfannkuchen für das Frühstück, denn die Bordküche hatte keinen Vertrauen erweckenden Eindruck hinterlassen. Mit einem Schluck aus unserem Flachmann feierten wir den Anbruch des neuen Tages und versuchten moch eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Gegen 3:00 a.m. erlöste uns unser Kapitän von diesem nutzlosem Versuch. Endlich ging es an Bord. Sicher wurde nun gleich der Anker eingeholt und wir würden den sicheren Hafen verlassen. Aber vorher mußten wir auf dem Achterdeck uns hinsetzten und auf die Flut warten.
Diese Nacht in dem Hafendorf an der Ostküste von Afrika, ohne Strom und ohne Bett werden wir wohl nicht so schnell vergessen. Nicht zuletzt, wegen seines full time service.
Das Warten in Afrika verläuft in anderen Zeiträumen. Wir wußten das und suchten uns einen freien Platz, wo wir uns auf dem Deck ausstreckten. Der Wechsel vom nicht vorhandenen Bett an Land, zu den harten Schiffsplanken fiel nicht schwer. Der einzige Unterschied war der, das das Schiff auf der Seite lag und wir demzufolge mehr standen als lagen. Der niedrige Wasserstand wurde von den Schiffern benutzt, um die Dhau zu beladen. Sack um Sack wanderte in den Rumpf. Weitere Passagiere kletterten an Bord und andere stiegen wieder ab. Es war die Unruhe die jedes Schiff vor dem Auslaufen zur Großen Fahrt erlebt. Unser Schlaf war dann auch mehr ein Dämmern in den erwachenden Morgen.
Plötzlich wurde ich munter und lag waagerecht. Die Flut war gekommen und wir schwammen. Allerdings nur mit dem Heck, der Bug lag noch fest. Es war gegen 6:00. Die Hektik wuchs zusehend. Mit erhöhter Geschwindigkeit wurde die letzte Fracht verladen, die Schauerleute standen bis zur Brust im Wasser, und mit einer Plane abgedeckt. Die ganze Zeit seit es hell war hatten wir schon nach unseren Rucksäcken Ausschau gehalten, ohne Erfolg. Jetzt, beim Sichern der Ladung tauchten sie aus irgendeiner Ecke für kurze Zeit auf um für die Überfahrt mit der anderen Ladung zusammen unter der Plane zu verschwinden, die alles vor Spritz- und Regenwasser schützen sollte.
Einige Afrikaner erledigten in Ruhe ihre Morgentoilette, in dem sie mit Hingabe ihre Zähne putzten. Bei dieser Tätigkeit haben wir hier in Tansania fast alle Schwarzen beobachtet. Das war sichtlich ein Punkt der täglichen Hygiene, welcher ihnen als essentielle Notwendigkeit beigebracht wurde. Ob im Zug, auf dem Schiff oder auf dem Markt, wenn sie die Zeit für gekommen hielten, wurde geputzt. Wasser war dabei nicht immer notwendig. Hauptsache war eine Zahnbürste und damit wurde das Elfenbein poliert, bis es glänzte.
Gegen 8:00 löste sich auch der Bug vom Ufer und unsere Dhau schwamm. Der Kapitän gab den Befehl zum Einholen der Leinen und wir trieben langsam vom Ufer weg. Die Gaffel, das ist die lange Stange an der das Segel befestigt ist, wurde unter Beteiligung der gesamten Schiffsbesatzung und einiger Passagiere hochgezogen und das Segel dicht geholt. Es füllte sich mit dem leichten Wind, der in Ufernähe wehte und wir machten ganz langsame Fahrt, der Flut entgegen. Der Wind frischte dann auf sobald wir die Nähe des Landes verlassen hatten. Nun, den freien Indischen Ozean vor uns, besahen wir uns unsere Dhau und ihre Ladung genauer. Mit auf dem Achterdeck hockten 15 Leute auf den Planken oder auf Sandsäcken, die hier zum Trimmen benötigt wurden. Weitere 35 verteilten sich über die Ladung und das Vorschiff. Dazu kamen 5t Fracht. Ich fand das für die Größe des Schiffes sehr beachtlich. Sicherheitsvorkehrungen gab es nicht. Also Schwimmwesten, wie sie in jedem Flugzeug, das vom Bodensee nach Rostock fliegt, mitgeführt werden müssen, oder gar eine Rettungsinsel waren auf der Dhau sehr gut getarnt wurden. Wahrscheinlich würde selbst eine Überprüfung, wer sollte die wohl machen, der Sicherheitsvorschriften keine finden. Entweder wir kamen an, oder nicht. Doch ich denke, solche Gedanken machte sich hier an Bord keiner. Der Kapitän kannte den Kurs und befuhr diese Route drei mal die Woche, was sollte da passieren? Bisher, jedenfalls, war alles gut gegangen.
Eine Insel kam in Sicht und wir legten an. Also, wir legten nicht an, sondern näherten uns der Insel nur so weit, daß wir keine Grundberührung hatten. Die Passagiere stiegen in ein kleines Boot um, das sie dann zur Insel brachte. Dort hatte sich die gesamte Bevölkerung versammelt und beobachtete das Manöver. Es dauerte eine Weile, ehe das dazugehörende Gepäck gefunden wurde, aber schon nach einer halben Stunde schwammen wir wieder auf dem Ozean.
Nachdem wir die Insel verlassen hatten, nahmen wir Kurs auf den Horizont. So schien es, denn nirgends war ein erkennbares, für mich, Ziel zu sehen. Wir waren schon 2 h unterwegs und ringsum war Wasser. Nichts als Wasser. Kein Land vor uns oder hinter uns. Nach Backbord lag Indien und Steuerbord querab die Antarktis. Der Steuermann schaute zwar nach vorn, da war aber nichts zu sehen. Wie orientierten sich die Schiffer nur? Ich schaute, ob es vielleicht irgendwo einen Kompaß gab, ich sah keinen. Zur Zeit waren wohl die meisten mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, denn als ich den Kapitän frug, ob er einen Kompaß dabei hätte, lachten alle die an Bord waren. Er sagte, er bräuchte keinen Kompaß, wir kämen auch so an. Ich frug nach einer Seekarte, auch negativ. Ich gab zu bedenken, daß man so eine kleine Insel ohne jegliche Navigationshilfen leicht verfehlen könne und wir dann bis Australien durch fahren würden, wenn wir Pech hätten, bis Südamerika. Die Afrikaner kamen von einem Lachkrampf in den nächsten. Da sagte der Kapitän, ich solle mal zu ihm kommen. Ich ahnte noch nicht, was mich erwartete und auch die 50 Leute an Bord dachten sich nichts Schlimmes. Da gab der Kapitän seinem Steuermann den Befehl, mir das Ruder zu übergeben. Wäre der Wind nicht gewesen, hätte man eine Stecknadel fallen hören. So ruhig wurden unsere Mitfahrer. So etwas hatte hier noch keiner erlebt, das ein Passagier und noch dazu ein Mzungu die Herrschaft über das Schiff erhält. Ich war auch überrascht. Aber ich frug den Kapitän, welchen Kurs ich halten solle. Er zeigte mit seiner Hand nach vorn und meinte, immer gerade aus. Die Menschen an Bord waren sehr leise und beobachten, je nach Temperament, sehr mißtrauisch oder ängstlich mein Dasein als Rudergänger auf einer Dhau.


>Dhau unter Segel<
(Hätte der Fotograph anders gestanden, könntet ihr mich an der Pinne sehen.)

Hier draußen auf offener See hatte der Wind inzwischen auf sechs Windstärken aufgefrischt. Die Wogen die er über den Ozean vor sich her trieb hatten hier eine Höhe von drei Metern erreicht und wenn sie an Backbord ankamen, schwappte manchmal einiges Wasser in unser Schiff. Der Rudergänger mußte also seien Aufmerksamkeit nicht nur dem Kurs, sondern auch den anrollenden Wellen widmen. Ich war erstaunt, wie leicht das Fahrzeug zu steuern war. Ich hatte schon an verschiedenen Pinnen gestanden, alle Schiffe um ein vielfaches kleiner als diese Dhau, und wußte, worauf beim Segeln zu achten ist. Doch die gute Steuerbarkeit überraschte mich sehr. Sie gehorchte sofort der geringsten Bewegung des Steuers. Zu Beginn meiner Wache korrigierte mein Vorgänger ab und zu meinen Kurs, aber nach 10 Minuten segelte ich allein. Zumindest war der Kapitän im Wesentlichen mit den von mir gefahrenen Kurs einverstanden. Nach einer halben Stunde wurde ich von der schweren Verantwortung wieder befreit und konnte den Rest der Reise in Ruhe genießen.
Die See war so schwer, daß die Seekrankheit unter einigen Frauen und Kindern an Bord ihre Opfer fand. Sanitäre Einrichtungen gab es hier nicht. So ging alles einfach über Bord. Unter Beachtung der Windrichtung, war dies auch kein Problem. Wir vermißten nicht die Sanitären Einrichtung, aber die Versorgungseinrichtung. Sieben Stunden waren wir unterwegs und hatten keine Möglichkeit, uns hier an Bord etwas zu kaufen. Alle wußten dies, wir nicht. Außer unserem Pfannkuchen den wir uns mitgenommen hatten und einen Schluck aus unserem Flachmann, konnten wir unserem Körper nichts zuführen, wir mußten aber auch nichts abführen.
Nach 35,4 Sm Luftlinie und 7 h erreichten wir Mafia Island. Eine, beeindruckende Überfahrt auf einem Schiff ohne Motor und Navigationsinstrumente. Wir werden sie nie vergessen.
Die Ankunft war auch witzig. Da Mafia über keinen Hafen verfügt, war die Fahrt mit der Dhau ca. 1 km vor dem Ufer zu Ende. Dann kamen kleine Boote die uns, wie ich dachte, ans Ufer bringen würden. Weit gefehlt, denn auch für die wurde 500m vor dem Ufer das noch 60 cm tiefe Wasser zu flach und wir mußten mit vollem Gepäck  durchs Wasser waten. Halb verhungert, fast verdurstet und bis zum Schritt triefnaß, so betraten wir unter Beachtung der halben Einwohnerschaft von Kilidoni Mafia Island.